erstellt am: 23. November 2000 17:27
hi codo,auch mit wenig zeit lässt sich viel interessantes erleben.
nein, man muss kein bes. fz haben, um einen eindruck zu bekommen.
aber, wenn ich dich richtig verstehe, meinst du etw. anderes?
man KANN s-am. (anders als afrika) auf schmalem asfaltkorridor durchqueren.
aber wie das so ist: entlang des mainstreams ist die erschließung auch eines ‚jungen' kontinents abgeschlossen, die anmutung erweist sich dann auch schon sehr ausgeprägt geschäftig global. dabei werden dir allerdings die meisten pionier-/ +natur- regionen im hinterland entgehen.
und das ist der weitaus größte + unbereiste rest.
pauschalisierungen bzw. fehlende differenzierung zw. regionalen gegebenheiten lassen sich in der kürze nicht vermeiden. sorry.
... vielleicht ergibt sich ja noch mal ein vitales ‚südamerika-forum'...
wer v.uns ist nicht bis fähre genua v. verkehr, überholman., monotonie erschl. landschaften usw. genervt - u. atmet freier, wenn's endl. leerer, weiter, einfacher etc. wird?
umstände entscheiden, reisen ist (auch) suchen...
eindringlicher tipp:
lass die pan-am geschichte usa-feuerland, wenn du nicht jahre zeit hast und auch etwas von der fahrt haben willst.
neben (teuren) ärger wg d. probl. darien-gap wärst du nicht der erste langzeit/-strecken-fahrer, der nur noch zum grenzcheck/ tanken hält und stumpf von handbook-highlight zu highlight am kontinent vorbeifährt.
ein einseit. bild ist die folge. reisehandbücher/ -berichte, auf diese art ‚nebenbei' entstanden, werden dirs zeigen... schade. weniger wäre mehr.
gute athmosph. authent. eindrücke s. z.b. berichte v. c. pehlemann, tours (bolivia, patag.).
unterschätze nicht die dimensionen - erst recht nicht aus der ‚feldweg-perspektive'.
allein brasil hat ca. 28x die fläche d. brd, hier kannst du jahre in verschiedensten landschaftsformen unterwegs sein, ohne eine piste mehrmals zu fahren.
nur ca.6% der verkehrswege sind asfalt, ca. 94% des landes sind (zum grossen leidwesen d. küstenfernen "fortschritts") nur durch erd/ lehm/ steinpiste erschlossen (öff. ang. brasil 1996).
auf dem land (nicht nur in brasil) ist der ochse der ‚gängigste' 4x4-antrieb der land- bevölkerung, das klima meist feucht (außer NO u. regenschatten d. andenregionen).
der zustand auch wichtigerer (internationaler) verbindungen im zentr. kontinent sieht dann auch oft dementsprechend aus.
und damit bist du immer noch nicht in den legendären intakten einsamen regenwäldern...
zur techn. seite, wenn du im hinterland asfaltfern unterwegs bist:
pistenzustands-zonen in dir. zusammenhang m. klimat. bedingungen (i.abh. v. besiedlung/ wirtschaft). pistenzustände werden rapide schlechter, wenn besiedlung nachlässt bzw. du an erschließungs-ränder in buschregionen kommst (das geht manchmal schnell).
augen auf:
wetter kann ganze landstriche (bes. im zentr. tiefland) binnen kurzem unpassierbar werden lassen.
busch-brände bzw. (illegale aber übliche) brandrodungen entspr. windrichtungen/-stärke (nachtlager) - vorsicht: man wird nicht gewarnt.
je feuchter u. tropischer das reisegebiet, umso zahl- + wasserreicher die fließgewässer.
in sehr schönen /abgelegenen neu-ansiedl.-gebieten kann bemessungsgrundlage für brückenbau (falls...) ein beladener ochsenkarren bzw. pickup sein - das sind ca. 4to.
etwas knapp für freund u-mog, w-50 & co...
auch mit 1,80m watfähigkeit.
in trop. bergwaldregionen sind erdrutsche nicht selten (rückweg?).
schlucht-täler werden bei schnell + hoch steigenden wasserständen zur falle (vorsicht b. trop.gewittern!). kleinere pisten oft einspurig + schmal. (astschlag/ höhe).
selten befahrene pisten (aufgegebene minen, landstellen etc.) wuchern schnell zu - vegetation kann erhebl. die fahrt behindern.
gigantische viehtriebe verwandeln feuchte pisten in kilometerlange moraste.
gewitter m. starkregen auch in wüsten-/ steppenreg. d. vorcordillere heikel.
geröll-, lava-, salz- od. sand- wüstenregionen (chile, peru [bes. küste], n.arg., bolivia, bras.küste) kleiner, aber techn. schwierigk. mit n./s.afr vergleichb., - logistik einfacher.
wenn du die ariden o. hohen regionen bevorzugst, spielt gewicht + größe d. fz ger. rolle. starker leistungsabfall d. maschine ab 4000m. tiefer schwerpunkt (kippwinkel bei abgerutschten passagen, sicherung berwärts? fz.ev.umpacken); höhenanpassung: gr. höhe => siedepunkt (kühl-)wasser kann weit unter 80°C fallen => enorme dampfentwicklung im kühlsystem, wapu etc! (nachts, frühmorgens fahren, starke sonneneinstr. meiden); kaltstartbeschleuniger (zur not hilft benzin direkt in ansaugöffn., gr.akkus, ausr. frostschutz!! wechsel v. +45°C vorland zu minus20°C al.plano in kürzester zeit); vorsicht bei salar-überquerungen (einbruchgefahr); mittel gegen soroche; geschenke f. indios, minenarbeiter.
im vorcord. patagonien bzw. feuerland können nebenpisten nass + furten tief werden.
problem durch starkwinde + böen bis ü. 200km/h (gute fz-stand-sicherung in hanglagen).
hauptstrecken wie die atlant. "3" vermittelt guten eindruck v. endlosigkeit, die cord.-parallele "40" das manchm. materialbelastende gerüttel zw. andenhauptkamm und steppe.
insges. sind nachtfahrten riskant. rinder, schafe, pferde auf kaum einsichtigen streckenabschnitten, unterspülte o. eingestürzte fahrbahndecke, verlorene (holz-)ladung, unbeleuchtete ochsenkarren m. promilleerleuchteten u./o. schlafenden ‚lenkern' usw.
zur fz-wahl & e-t-situation s.an and. stelle. fz-kompatibilität/ zustand enorm wichtig. einfache, hitze- + wasserbeständige robuste technik (hubraumstarker diesel m. gr.drehmoment optimal). fz-aufb. niedr. halten (vegetation, schwerp.s.o.).
kompl. ausrüstung. starkregen können binnen weniger std. 200mm liefern , gewässer schnell steigen: wasserschutz f. achsen/ mechanik, hochgelegte luft (gewaltige feucht/ sumpfgebiete i.zentr. tiefland. kanu?), zyklon? (unser ölbad/luft ließ gut messen, was zyklon bringt. gut: abkoppelbar, wenn nicht benötigt); traktions-/bergehilfen (böden z.t. feinstes sediment, grauer lehm übler als roter).
kompl. e-t-kits (auch kompl.steckachs-sätze können sehr hilfreich sein...). tanks.
fz mögl. original, keine techn. raff. sonderausstattungen (fahrwerk, kompressoren, llk etc.) - du bekommst ev. keinen ersatz! gängige reifen (2. res.r.).
haben gute erfahr. m. getr.-öl-mischungen v. 90/150 gemacht (hitze).
regelmäß. 'wasserstands-kontrollen' in getr./diffs (emulsionsbildung)!
bei kapitaleren schäden: buschmechaniker zaubern zwar mit hammer und schlüssel an ihren gurken, aber was sie nicht kennen + was es im ganzen land nicht gibt...
von freundlichen ausrüstern in der heimat zugesagte + dringend erwartete luftfracht-e-teil-pakete haben keine garantie, dass sie den cargo-terminal a.d. grenze in deine richtung überhaupt weiter verlassen werden (v. zeit, geld). optimal: norm-teile.
gps kann gute dienste leisten (wüste, (hoch-) steppe, kanu a. küste o. sümpfen...), aber wir mussten unsere "oldies" garmin 40/45 manchm. an lange bambusstangen binden, um in buschvegetat. empfang zu haben. in steilen bergschluchten/ hochwald keine messergebnisse.
bleibt oft die gute alte ‚bussola' + tacho (+ altim.)...
gute karten sind schwierig - ibge u.ä. (militär. vermessungsinstitute) geben oft nur altes/ selektiertes material ab, meist nur in hauptstädten + m.viel bürokratie (zeit, umwege).
in zahlr. gebieten gaben us-fliegerkarten nicht mehr als gröbste anhaltspunkte. für küste gut.
m. russ. militärkarten keine erfahrung.
beste orientierungshilfen + aktuellste wege-zustand-tipps im busch geben vieh-/agrar-/ holztransporte bzw. versorger v. minen, ölgesellsch.u.ä.. polizei-auskünfte nicht immer zuverlässig (polizisten auch nicht). gaúcho- landarb.- indio-tipps oft gutgemeint aber mit vorsicht z. betr., wenn's um tatsächl. fahrbarkeit geht.
spritkauf ‚aus der tonne' kann gepanscht sein. viel reserven gut - aber gewicht (s.o....).
unauffälligkeit = unbezahlbar!
sehr vorteilh., nicht schon v. weitem als fremder mit $$ ausgemacht zu werden (kontr., sicherheit...).
ein wort dennoch zu den menschen im busch:
die meisten menschen leben unter ärmlichsten bedingungen.
du bist - egal wie dick dein konto - reich (du hast ein auto, du reist...).
gastfreundschaft ist ein hohes gut. ein gegrilltes gürteltier, das man mit dir teilt, ist kostbar. revanchiere dich immer mit einem geschenk (kleidung, lebensm., gebrauchsartikel, werkzeug, sprit...) - keine kugelschreiber ö.ä...
immer, wenn du entbehren kannst, dann kann eine kanne kerosin die bohnen der nächsten wochen für e. kleine familie heizen...
ein paar worte ihrer sprache, und man wird deine bemühungen, sie zu verstehen, gewaltig anerkennen.
aber ich denke, das ist uns allen selbstverständlich...
und du auf dem besten wege.
spannendes planen + wache instinkte
lg jo