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| Autor | Thema: Gedanken zu Krieg |
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Klaus Därr Administrator Beiträge: 223 |
Der bevorstehende Krieg kommt hier im Forum bisher nicht vor, obgleich er massive Auswirkungen auf unser Leben im Alltag und auf Reise haben wird. Sind wir denn politische Neutren, die sich nur dafür interessieren in welchem warmen Land wir ebenso billig wie sicher reisen und dennoch mit dem Immage des Abenteuerreisenden zurückkommen können? Sagt doch öffentlich Euere Meinung zum Attentat auf das WTC, zu den Ursachen die dazu führten und zu den Konsequenzen die uns bevorstehen. Meine Meinung aus dem Stand des Wissens von heute ist über den Link nachzulesen. Link: http://www.klaus.daerr.de/Krieg.htm IP: Gespeichert |
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Steve Junior Member Beiträge: 4 |
Hallo Klaus, Ich habe Dein e Meinung über den Anschlag mit Interesse gelesen. Ich habe das Glück seit meinem 10 Lebensjahr durch Afrika reisen zu dürfen. Ob in Schwarzafrika, im Süden, Osten , Westen oder Norden, ich habe gelernt, daß ein Lächeln in der Regel hilfreicher ist als ein Stock, Pistolen oder harte Worte. Wie die Zukunft aussieht vermag ich nicht zu erkennen aber lächeln wird bald keiner mehr. Was in Amerika geschah ist zweifellos eine große Tragödie für die westliche Welt aber - was folgen wird - eine Tragödie für die ganze Welt. Nachgeben wird wohl keiner der Parteien. Gruß Steve [Diese Nachricht wurde von Steve am 21. September 2001 editiert.] IP: Gespeichert |
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dori Junior Member Beiträge: 8 |
Hallo,Klaus Därr, der Grund warum sich so wenig zum entsetzlichen Geschehen äußern liegt wohl darin dass einem die Worte "im Halse" stecken bleiben. Klar dass als die Hauptursache der Konflikt Israel-Palestina anzusehen ist - also liegt die eigentliche Ursache schon 50 Jahre zurück. Die Konfliktsituation ist nie wirklich aufgearbeitet worden, die genauen Umstände zu erläutern führen in diesem Forum zu weit. Tatsache ist jedoch dass die Fundamentalisten nichts, aber auch gar nichts mit dem ehemals so toleranten Islam z.B. im Spanien vor den katholischen Königen zu tun haben. Die Geschichte kehrt sich um - früher waren die Christen auf dem Kreuzzug - heute wollen die Fundamentalisten den "Heiligen Krieg" - wen wundert es wenn jetzt die USA einen "Feldzug" starten wollen? So helfen Bin Laden + Co Präsident George Bush möglicherweise zu einer 2. Amtszeit - ...... Zum Verhandeln sollte es nie zun spät sein, aber mit Terroristen kann man nicht verhandeln! Ich habe nicht gedacht dass ich mal diese Haltung einnehmen würde, aber der Anschlag in New York geht über alles menschlich vorstellbare hinaus! Auch wenn die absehbaren Konsequenzen erschreckend sind - die andere Wange hinhalten nützt in diesem Falle nichts! Trotzdem soll man nicht jetzt in Agonie verfallen - und trotz allem weiter reisen - durch Reisen in andere Länder können wir verstehen , erklären... wenn mehr Amerikaner mehr Urlaub hätten... wennn Gerge W. Bush schon eher weltpolitische Vorstellungen gehabt hätte... aber die Terroristen hätten auch unter Al Gore zugeschlagen.. dies sind so Gedanken die mir so durch den Kopf gehen ind der letzten Woche. IP: Gespeichert |
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Herbert Junior Member Beiträge: 25 |
Fest steht fuer mich, dass das Attentat auf das WTC nicht nur ein Anschlag gegen die USA, sondern gegen alle Nationen war. Zig Nationen der ganzen Welt unterhielten im WTC Firmen. Ich selbst war vor einem Jahr als Tourist ganz oben im WTC. Wenn ich jetzt auf meine Fotos schaue, laeuft's mir kalt den Buckel runter... Lese ich die Zeilen von Klaus Daerr's webpage, muss ich ihm teilweise zustimmen. Ich lebe nun drei Jahre in Kanada und habe mit vielen Amerikanern zu tun. Ich habe selten so viele Leute getroffen, die so wenig von der Welt ausserhalb den USA wissen, wie die Amerikaner. Dabei hat zudem ein Grossteil der Amerikaner einen "Superioritaets-Komplex", den manche Leute durchaus als Arroganz gegenueber anderen Laendern/Voelkern interpretieren. (Deutsche Touristen sind hierin aber auch nicht schlecht! Ich werde mal Geschichten veroeffentlichen, wie sich Deutsche im Ausland verhalten, wenn sie meinen, man spricht die Sprache nicht...) Das Problem auf Israel/Palaestina zu reduzieren, halte ich aber fuer falsch. Das eigentliche Problem ist, dass der Golfkrieg von 1991 nicht zu Ende gefuehrt wurde. Die Aliierten haetten damals Sadam Hussein stuerzten und humanitaere Aufbauarbeit im Irak und in der Region leisten sollen. Die Menschen im Irak und in der Islamischen Welt haetten so verstanden, dass der Westen nicht das "Boese" repraesentiert. Statt dessen hat man einem ganzen Volk den "Hahn" abgedreht und praktisch derselben Propaganda wie eh' und jeh' ueberlassen. Mir ist es nach wie vor unbegreiflich, wie man kurz vor Bagdad stoppen konnte... Aber halt: Mir klingen noch die Rufe - und besonders aus Deutschland - im Ohr: "Kein Blut fuer Oel" und "Amis raus aus dem Irak". Diese Leute bekommen jetzt die Quittung, was passiert, wenn man nur halbherzig an eine Sache rangeht. Schaut man sich naemlich Bin Ladens Biographie mal an, stellt man fest, dass seine Gruppe erst 1991 nach dem Golfkrieg - und der war alles andere als ein Palestina/Israel Problem - so richtig aktiv wurde. Nur leider ist die Situation jetzt anders. Man kann die Bin Laden Gruppe nur schwer mit einem "Krieg" im alten Sinne bekaempfen. Ich fuerchte, was in den naechsten Wochen/Monaten folgt, ist sinnloses Geballer, mit unschuldigen Opfern, das hoffentlich zu nichts weltumspannendem fuerht. Herbert IP: Gespeichert |
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LD Junior Member Beiträge: 16 |
Gefunden 2 interessante Kommentare zum Geschehen
Zum Thema Für mich war klar, dass es - im Falle New Yorks und des World Trade Centers im Besonderen - eindeutige und stringente Verbindungen gab zwischen Hitlers Wunschvorstellung und dem wichtigsten Motiv der mutmaßlichen Täter. Denn selbst wenn es sich nicht um fanatische Selbstmordbomber aus der arabischen Welt gehandelt hätte, wie es sich manche Deutsche bis zum unwiderlegbaren Beweis wünschten, sondern "nur" um einheimische Rechtsradikale à la Timothy McVeigh, wären auch bei diesen die Motive sehr ähnliche gewesen. Das haben uns ihre mörderischen Attentate in Oklahoma City und anderswo gezeigt. Es geht um die Zerstörung eines verjudeten Amerikas, für das New York City das Beispiel schlechthin ist: das verhasste Zentrum des Weltkapitalismus und des globalen Finanzwesens, allen voran die "jüdische" Wall Street. Mit der Zerstörung New Yorks und Washingtons hätte man dem ZOG (Zionist Occupied Government), der "von Zionisten besetzten Regierung", wie einschlägige rechtsradikale Kreise hierzulande die Administration und ihre Institutionen nennen, eine willkommene Niederlage beschert. Dass diese "faith based terrorists" (um Tony Judts zutreffenden Ausdruck zu verwenden) der amerikanischen Rechten sehr viel mit dem Weltbild Hitlers und dem der arabischen Extremisten zu tun haben, wurde kaum erwähnt - jedenfalls nicht in Amerika und, soweit ich das bei meinen sporadischen Einblicken in die deutschen Medien mitbekommen habe, auch nicht in der Bundesrepublik. Die Mehrheit der Islamwissenschaftler, die in den USA wie in Deutschland jetzt zu Recht als Experten von den Medien herangezogen werden, um der Öffentlichkeit irgendeine Erklärung für diese Schandtat zu geben, betonen immer wieder, was für eine friedliebende und tolerante Religion der Islam sei. Wird nachgefragt, wie die Terroristen und ihr Milieu dann ihre Taten mit dem Islam rechtfertigen können, ist meistens eine Kombination von zwei Faktoren zu hören: Erstens handele es sich um eine Perversion des Islam in einer verschwindend kleinen Gruppe, die sowohl für den Islam als auch für die arabische Welt völlig unrepräsentativ sei. Zweitens müsse man den politischen Hintergrund der Tat doch analytisch nachvollziehen, auch wenn dieser Gewaltakt selbstverständlich normativ zu verurteilen sei: Der Terror und der Jubel in vielen Ländern der islamischen und arabischen Welt darüber seien die Reaktion auf die verfehlte Politik des Westens (allen voran der USA), auf die Globalisierung und die allgemeine Benachteiligung der armen südlichen Länder gegenüber dem reichen Norden. Nun bin ich kein Islam-Experte. Aber ich habe mich mit dieser Religion in meiner Studentenzeit an der Columbia University und durch mein allgemeines Interesse an Geschichte, unter anderem auch der des Osmanischen Reiches, hinreichend kundig gemacht, um die Meinung der Islam-Wissenschaftler nachzuvollziehen, dass der Islam "an sich" große Räume der Toleranz bietet. Und dass er in seiner Praxis, zumindest historisch gesehen, anderen Religionen mit Staatsmacht, wie etwa dem Christentum in all seinen Versionen um vieles voraus war. (Das Judentum schließe ich hier aus, weil es zwischen den Jahren 70 unserer Zeitrechnung bis 1948 keine Staatsmacht besaß; dies ist ja nach der Ansicht solch brillanter Köpfe wie Michael Walzer einer der Hauptgründe, warum der Staat Israel solche Fehler in seiner gegenwärtigen Politik begeht.) Der ganze Erklärungsansatz zum Verhältnis von Islam und Terror greift viel zu kurz. Er gleicht einer Analyse des Christentums ohne Kreuzzüge, ohne Pogrome, ohne Glaubenskriege - also der Beschreibung eines idealen Urzustandes, den es im real existierenden Christentum lange nicht gab. Es gibt ihn aber zumindest annäherungsweise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, seit den Reformen unter Papst Johannes XXIII. sehr wohl im Katholizismus und auch in den meisten anderen christlichen Religionen, bis auf wenige Ausnahmen. Keiner der Islam-Experten, die ich seit dem 11. September in Amerika gehört oder deren Äußerungen in Deutschland ich gelesen habe - eingeschlossen das, was mir viele deutsche Freunde berichten - hat den Judenhass erwähnt, der weit über die Aversion gegen Israel hinaus reicht und im modernen Islam, besonders dem arabischen, verbreitet ist. Hetztiraden in Moscheen Kein Wort von der Hitlerliebe des Muftis von Jerusalem; kein Wort, dass Nazi-Schergen wie Alois Brunner bis heute politisches Asyl in der arabischen Welt (in diesem Fall Syrien) genießen; kein Wort, dass Gamal Abdel Nasser deutsche Raketenbauer anstellte, um Israel zu vernichten; kein Wort, dass die arabischen Länder zu den größten Herstellern antisemitischer Literatur avanciert sind; kein Wort, dass seit Jahren "Stürmer"-ähnliche Karikaturen über Juden in etablierten arabischen Zeitungen wie der Kairoer "Al Ahram" gang und gäbe sind; kein Wort, dass die Predigten in vielen Moscheen in den letzten Jahren zu mörderischen anti-jüdischen Hetztiraden degradiert sind; kein Wort, dass bei der Antirassismus-Konferenz der UN in Durban die alte antisemitische Fälschung des zaristischen Geheimdienstes "Die Protokolle der Weisen von Zion" offen dem anwesenden Publikum angeboten wurde - und das laut glaubhaften Berichten mit Erfolg. Darüber wird vornehm geschwiegen. So wird die Hauptschuld für diesen mörderischen Angriff auf New York und Washington D.C. letztendlich der verfehlten Welt- und Entwicklungspolitik der USA zugeschrieben. Wenn dies so wäre, dann muss man erklären, warum die Attentäter nicht aus armen Ländern wie Indien oder Nigeria kamen. Oder, was die Islam-Experten auch nicht erklären, warum nicht aus islamischen Ländern wie Bangladesh, Indonesien (das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt) oder Malaysia. Warum wird fast nirgends der wichtige Erklärungsfaktor erwähnt, auf den der zweifache Pulitzer-Preisträger und New-York-Times-Journalist Thomas Friedman hingewiesen hat, der zwar kein Islam-Wissenschaftler ist, aber ein hervorragender Kenner des Nahen Ostens: In keinem einzigen arabischen Land gibt es auch nur annähernd eine demokratische Regierung. Die arabische Welt en bloc (wohlgemerkt: nicht die muslimische) ist die undemokratischste Region dieser Erde - mit noch weniger Demokratieansätzen als in Schwarzafrika. Die deutsche Reaktion auf die Katastrophe war wirklich beeindruckend - einerseits. Kein anderer Staatsmann, vielleicht mit Ausnahme Tony Blairs, hielt eine so bewegende und mit den Opfern solidarische Rede wie Gerhard Schröder. Die vielen - oft auch spontanen - Aktionen landauf und landab, wie zum Beispiel die fünf-minütige bundesweite Arbeitsniederlegung auf Grund einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern und die große Demonstration in Berlin am vorigen Freitag sind in Amerika dankbar aufgenommen worden. Ich möchte mich auch für die vielen E-mails der Anteilnahme und Besorgnis von deutschen Kolleginnen und Kollegen bedanken. So ging es vielen in den USA. Andererseits verrieten mir regelmäßige Blicke ins Internet nach dem 11. September, dass unter diesem offiziell solidarischen und mitfühlenden Deutschland ein ganz anderes Deutschland floriert. Dafür muss man nicht die Web-Seite von Horst Mahler besuchen. Dafür genügen die Meinungs- und Feuilleton-Seiten einiger Tageszeitungen, von der "taz" bis zur "FAZ". Dort waren Artikel der verschiedensten Autoren mit folgender mehr oder weniger verhüllten Meinung zu lesen: Die eigentlichen Urheber sitzen in Amerika - wegen der verfehlten Weltpolitik der USA; und insofern gehören dazu auch die amerikanischen Opfer selbst durch ihre Existenz als Amerikaner. Jetzt komme es vor allem darauf an, die rachsüchtigen Amerikaner, die "alttestamentarisch" (sprich: jüdisch) denken, von ihrem Vergeltungsschlag abzuhalten. Und das müssten die Europäer und speziell die Deutschen mit der ihnen eigenen christlichen Nächstenliebe leisten. Das las sich sozusagen wie eine lange überfällige Rückzahlung für Dresden und Hiroschima. Und zwischen den Zeilen konnte man mitunter auch noch den Verdacht finden, dass diese Schandtat womöglich eine selbst inszenierte Katastrophe war, oder zumindest durch mangelnde Aufklärung mit verschuldet wie Pearl Harbor. Und sehr bald wurde leider auch wieder ersichtlich, wie sehr sich die deutsche Linke und die deutsche Rechte ideologisch und normativ ähneln, wenn es um Amerika und - natürlich indirekt - um Juden geht. Für die Rechte ist Amerika so sehr verhasst, dass sie sogar ihren ansonsten nie verheimlichten Rassismus Arabern und Muslimen (in Deutschland meistens Türken) gegenüber in den Hintergrund stellte, um auf die Amerikaner und natürlich die Juden loszuschlagen. Natan Sznaider hat natürlich Recht, wenn er sagt, dass der Antiamerikanismus schon immer die vornehmere Form des Antisemitismus in Deutschland und Europa war. Für viele nicht nur an den extremen Rändern des politischen Spektrums angesiedelte Deutsche ist der Gedanke schlicht illegitim und unakzeptabel, dass Amerikaner auch Opfer sein können. Aber es geht ja noch um etwas ganz anderes: Der Angriff und Hass auf Amerika eines Adolf Hitler, der Terrroristen, der amerikanischen Rechten à la McVeigh, der deutschen Linken wie auch der deutschen Rechten entstehen nicht allein, weil Amerika - besonders New York - die Hauptstadt des globalen Kapitalismus ist. Die Aversion kommt auch daher, dass die Vereinigten Staaten - wiederum insbesondere New York - das größte Experiment einer real existierenden multikulturellen Gesellschaft darstellen. Und die lehnt jeder der von mir genannten Feinde der USA aus jeweils eigenen Gründen scharf ab. Im World Trade Center starben Bürger von 62 Staaten und US-Amerikaner jeder erdenklichen Religion, Ethnie und Hautfarbe. Dies wäre andernorts undenkbar. In New York, wie auch in Los Angeles, ist ein solcher Multikulturalismus in den letzten zehn bis 15 Jahren zum Alltag geworden. Der potenzielle Erfolg beim Zustandekommen einer wahrlich multikulturellen Gesellschaft ist für die Feinde der USA mindestens ein so rotes Tuch wie Amerikas Führerschaft im Kapitalismus. In den Vereinigten Staaten selbst kann man einige wichtige Entwicklungen beobachten, die zumindest in meinen Augen äußerst positiv sind. Zuallererst ist es auffällig, wie sehr - sofort nach einigen vereinzelten rassistischen Ausschreitungen gegen arabische (oder arabisch aussehende) Bürger - alle verantwortlichen Instanzen diese Taten mit den schärfsten Worten verurteilten. Ob dies nun Universitätspräsidenten taten oder die lokalen und nationalen Medien - überall hört und liest man andauernd, dass alle arabischen Bürger der Vereinigten Staaten volle Amerikaner sind, die mit dieser Schandtat nichts zu tun haben, ja sogar unter ihr vielleicht mehr leiden als andere Amerikaner. Ich lebe in der Detroiter Gegend, wo es die größte Konzentration arabischer Bürger im Lande gibt. Hier wird diese Haltung tagtäglich in allen nur erdenklichen Foren verkündet. Ich habe in einem früheren Essay im Tagesspiegel die große zivilisatorische Bedeutung von "political correctness" mit einem Beispiel untermauert, in dem ich Präsident Bushs Besuch in einer schwarzen Gemeinde am Geburtstag Martin Luther Kings lobte. In diesem Kontext muss auch die Integration eines Imams in der National Cathedral zu Washington bei der Feier für die Opfer des Terroranschlages im Beisein der gesamten politischen Elite des Landes (darunter alle lebenden Ex-Präsidenten außer Ronald Reagan) gesehen werden. Coming out der US-Araber Ich würde so weit gehen, zu sagen: Die Katastrophe und diese Reaktionen darauf signalisieren den längst überfälligen Beginn des sozialen und politischen "coming out" unserer arabischen Bürger in die amerikanische Öffentlichkeit. Ich kannte bereits einige Reformsynagogen in linken Universitätsstädten, die zu den hohen jüdischen Feiertagen regelmäßig Geistliche anderer Religionen - auch des Islam - einluden. Aber dass dies zum eben abgeschlossenen Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, in vielen "normalen" jüdischen Synagogen praktiziert wurde, ist schon beeindruckend. Plötzlich merken viele anti-etatistische Amerikaner, allen voran Republikaner wie George W. Bush, dass man den Staat nicht nur nolens volens dulden muss, sondern ihn sogar bitter benötigt und ihn unterstützen soll. Nur der Bundesstaat kann die darbenden und durch diese Katastrophe noch stärker geschädigten Luftfahrtgesellschaften über Wasser halten. Und nur der Bund kann der immer schwächer werdenden Wirtschaft kurzfristig unter die Arme greifen, genau wie nur er es sein kann, der endlich auch in den USA - wie in den meisten europäischen Ländern - qualifiziertes und gut bezahltes Sicherheitspersonal in allen Flughäfen des Landes anstellen sollte und nicht die derzeitigen, völlig unqualifizierten Arbeitskräfte, die noch schlechter als billige McJobs entlohnt werden und daher ständig rotieren. Auch außenpolitisch gibt es interessante Entwicklungen. Ich persönlich hoffe sehr, dass es zu keinem unüberlegten Luftangriff der USA gegen Afghanistan kommen wird, dem nur unschuldige Menschen zum Opfer fielen, keineswegs aber die Mitglieder von Osama bin Ladens Al Qaida, geschweige denn er selbst. Die Taliban würden durch Bombenangriffe kaum geschwächt. Ich hoffe, dass es stattdessen zu einer wirklich innovativ koordinierten weltweiten Kampagne gegen den Terrorismus kommt, bei der Militäraktionen nur eine von vielen sind. Interessant und weiterer Beobachtung wert sind darüber hinaus politische Entwicklungen, wie zum Beispiel die Allianz zwischen den zwei bevölkerungsreichsten Demokratien der Welt: Indien und den USA. Sie hat bereits vor dem Terroristenanschlag begonnen. Zudem gibt es eine wichtige Annäherung zwischen Amerika und dem Iran. Schließlich könnte es vielleicht doch noch zu einer Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern durch diese Katharsis kommen. Niemand kann die langzeitigen internationalen Entwicklungen dieses epochalen Ereignisses voraussehen. Nur eines ist sicher: Der 11. September 2001 wird als ein Tag in die Geschichte eingehen, der die Vereinigten Staaten völlig verändert hat. Demokratie mit Feindbild Die Hauptmerkmale der amerikanischen Identität sind Individualismus und Patriotismus. Amerikaner sind "born to be wild" und sollen machen dürfen, was sie wollen. Das heißt: Jeder ist für sich und seine Taten verantwortlich. Diese Selbstverantwortung steht hinter der Feier des self-made man, aber auch hinter der Dramatisierung der Täterschaft, wie sie ihre Zuspitzung im Ritual der Todesstrafe findet. Der eigentliche Erfolg dieses Landes besteht darin, aus der Ansammlung von Individualisten eine Gesellschaft geformt zu haben, die um ihr Wir-Gefühl nie verlegen ist. Mögen Amerikaner auch damit beschäftigt sein, ihr eigenes Glück zu schmieden, so pflegen sie doch seit jeher den Patriotismus, den Stolz auf ihr gelobtes Land. Als kollektives Bindemittel für das Wir-Gefühl dienen Symbole, in denen die Prinzipien "Leben, Freiheit und der Verfolg des Glücks", wie es in der Unabhängigkeitserklärung 1776 hieß, für jeden fassbar werden: Symbole wie die Flagge, die Freiheitsstatue, der Ford Mustang, das World Trade Center. Was nun die Verletzung dieser Identität anbelangt, so besteht die zusätzliche Infamie der Angriffe darin, dass kollektive Symbole Amerikas zerstört worden sind. Und gestört wurde auch die Logik individueller Verantwortung, von der das amerikanische Leben getragen ist. Diejenigen nämlich, die im strikten Sinne als Täter anzusehen sind, haben sich bei ihren Taten selbst getötet. Damit genau ist das Ritual von Schuld, Verantwortung und Vergeltung erschwert, das in Amerika bei solchen Gelegenheiten ausgeführt wird - zuletzt bei der Hinrichtung Timothy McVeighs, des Attentäters von Oklahoma. Es hat sich eingebürgert, die Attentäter "feige" zu nennen, wogegen die amerikanische Publizistin Susan Sontag jetzt eingewandt hat, es gehöre immerhin einiger "Mut" dazu, sein eigenes Leben zu opfern. Die "Feigheit", die hier gemeint ist, besteht aber darin, sich durch Selbstmord der Verfolgung zu entziehen. Nun gehört zur Suche nach Verantwortlichen immer auch die Suche nach Hintermännern und Fadenziehern, und auch hier hat die amerikanische Politik die Ursache der Gefahren immer gerne individualisiert: Das Reich des Bösen hatte meist einen Vorsitzenden, ob er nun Castro, Ghaddafi oder Hussein hieß. Dass das Bild der Welt damit auf fahrlässige Weise vereinfacht wurde, hat man in Amerika begeistert zur Kenntnis genommen. Heute nun scheint mangels des Zugriffs auf direkt Verantwortliche die Festlegung auf den Feind im Hintergrund besonders dringend zu sein. Wie soll Amerika nun mit dieser Wunde umgehen? Schon in den ersten Stunden nach dem Attentat versuchte man, für den Vergeltungsschlag eine Adresse zu benennen. Bushs Western-Parole lautete: Wanted - dead or alive. In seiner Kongress-Rede vom Donnerstag folgte er der Feindbild-Logik, zeigte zugleich aber - eher unfreiwillig - ihre Grenzen auf. Echte Belege für die Täterschaft blieb er schuldig, doch ungeachtet dessen brachte er die Logik von Feind, Feindbild und Verantwortung ins Rollen: Von den Attentätern gelangte er zu Osama bin Laden, von ihm zu den Taliban und schließlich zu der "Nation", die ihn beherbergt und sich so insgesamt zum "Feind" Amerikas macht. Doch ist diese Verantwortungs-Kette, bei der am Ende jeder Bürger Afghanistans mitgefangen, mitgehangen sein könnte, nicht arg dünn? Sie ähnelt sogar der These von bin Laden, wonach jeder US-Bürger, der mit seinen Steuern Aktionen gegen die arabische Welt finanziere, den Tod verdient habe. Bushs Antwort auf die Frage "Wer hat unser Land angegriffen?" lautete wörtlich: "Alle Hinweise weisen auf eine Ansammlung locker verbundener terroristischer Organisationen namens Al Qaida". Wie bitte? Mit der Verwendung des Wortes "locker" hat er am Ende ungewollt seine eigene Verantwortungs-Logik in Zweifel gezogen. Ihr muss man eine schmerzliche Einsicht entgegenhalten: Wer nicht wahllos töten will, darf sich nicht an leicht verschiebbare und vergrößerbare Feindbilder halten. Stattdessen geht es um die Suche nach echten Schuldigen und auch um die präzise Einschätzung der verworrenen Lage in den islamischen Ländern. George Bush hat die Devise ausgegeben: "Wir kämpfen für unsere Prinzipien, und unsere erste Verantwortung ist es, unser Leben an ihnen auszurichten." Das Prinzip des Feindbilds sollte dabei nicht gemeint sein. Der Autor ist Professor für Philosophie an der Universität St. Gallen. Zuletzt veröffentlichte er: "Unter Amerikanern. Eine IP: Gespeichert |
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Garbereder Junior Member Beiträge: 28 |
Ich bin mir nicht sicher, ob man Bin Laden wirklich der Drahtzieher ist. Und wenn ja, dann aber mit Sicherheit nicht allein. Alles was derzeit über das Netzwerk bekannt ist, deutet doch darauf hin, daß viel mehr, ja wenn nicht sogar ganze Regierungen dahinter stecken. Aber wie ausräuchern? Ein Schlag gegen Afghanistan wird mit Sicherheit viele hunderte unschuldige mit hineinziehen, ist das die westliche Zivilisation? Den chirugischen Militärschnitt gibt es nicht, das sollte allen nun klar geworden sein! Aber was sonst tun? Wie für mehr Sicherheit sorgen? Mit wem verhandeln, wenn sich die Täter noch nicht einmal dazu bekennen? Zu RAF´s - Zeiten gab es einzelne Tote, dann kamen hunderte in Rußland durch Bomben um´s Leben, nun tausende, wann wird die Schwelle fünfstellig? Eine düstere Zukunft, die nur durch wenige verblendete noch schwärzer wird! Wünschenswert wäre aber, wenn ebensoviel Sendeminuten, nein Stunden, den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen und Geschlachte allein auf dem Afrikanischen Kontinent gewidmet werden würden. In tiefer Trauer für die unschuldigen Opfer und in der Hoffnung auf Vernunft! IP: Gespeichert |
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LD Junior Member Beiträge: 16 |
Hintergrundinfo zum besseren Verständnis des Islamismus (ein Artikel aus der NZZ von 1993) Islamismus Der Islamismus, das heisst die ideologisierte und politisierte Version des Globaleinschätzungen «des Islams» als fundamentalistischer Bedrohung sind Diese Umstände sind durch Unzufriedenheit mit der jeweiligen Regierung und den Kampf den eigenen Regierungen Man begegnet hier der schon erwähnten Tendenz, zentral für ihre Ideologie, nach Ein Jahrhundert der Erfolglosigkeit Dass der Weg der Verwestlichung, den die Eliten etwa im Osmanischen Reich und in Dieses Gleichziehen oder gar Übertreffen ist nicht nur eine politische und Anfechtung des Lebens und des Glaubens Der dringende Wunsch nach Veränderung der bestehenden Verhältnisse wird also Die islamistische Wende trat ein, als vielen Muslimen immer deutlicher wurde, Eine Gefahr für die Muslime Gefährlich ist eine solche Lehre in erster Linie für die in der Praxis Als Oppositionsideologie ist der Islamismus in der Tat im eigenen islamischen Die Islamisten betonen, dass ihre Lehre die Menschen verändern werde und dass Bisher ist freilich nicht viel von einer solchen inneren Umkehr zu erkennen, Der formale Islam der Scharia Die Islamisten machen vielmehr den Eindruck von Leuten, die sich auf ein Wunder Schwächung statt Stärkung Nimmt man Gleichsetzung von «Islam» mit «Scharia» an, sind alle Handlungen der Bewährungsprobe der Macht Wie Iran zeigt, können islamistische Machthaber eine Scheindemokratie zulassen. Ablenkung frustrierter Energie nach aussen? Die Versuchung, durch äussere Abenteuer von innerer Unzufriedenheit über nicht Wenn die inneren Spannungen wachsen, besteht die Gefahr, dass ähnliche Aktionen Die europäischen Muslime als Zielscheibe Der Umstand, dass in Europa und den Vereinigten Staaten gegen 12 Millionen Die meisten Sicherheitsdienste der Industriestaaten dürften noch nicht Ideen durch Ideen bekämpfen Soweit der Islamismus eine Bedrohung der bestehenden Regime und Interessen in Neue Zürcher Zeitung vom 24. Juli 1993 IP: Gespeichert |
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LD Junior Member Beiträge: 16 |
eine interessante Info aus Finanzkreisen
Die geopolitische Komponente nach den Vorfällen in New York und Washington gewinnt gegenüberden unmittelbaren militärischen Aktionen der Amerikaner an Gewicht. Das ergibt sich sowohl aus den Stellungnahmen sehr vieler Regierungen der Region Nahost als auch aus den Betrachtungen/Analysen Erstaunlich ist dagegen, wie weit die westeuropäischen Regierungen Ist es denkbar, dass die Feudal-Regimes in beiden Ländern „abgesägt“ werden? Darauf verdichten sich die Vermutungen. Mit der augenscheinlichen Konsequenz, dass es für Saudi-Arabien um letztlich 1000 Köpfe und in Kuwait um weniger als 100 geht. Mit der Beseitigung dieser Führungsschicht Ein „demokratisches“ Regime in beiden Ländern, welches selbstverständlich islamisch wäre, würde die OPEC zur lupenreinen arabischen Organisation machen. Die Mitglieder in Südamerika können ausserhalb der Betrachtung bleiben. Ob daraus eine nachhaltige Veränderung des Ölmarktes/ Ölpreises resultiert, mag zunächst offen bleiben. Die ökonomischen Kräfteverhältnisse wären aber in jedem Falle deutlich verändert. Ist eine solche Annahme überhaupt realistisch? Das kommt auf die Art und Weise an, wie die Amerikaner den Krieg gegen den Terrorismus aufbauen. Sie befinden sich hierbei in einer sehr schwierigen Lage. Diese besteht in der Angemessenheit der jeweiligen Schritte und in der völlig unkalkulierbaren Reaktion in der gesamten arabischen Der geopolitische Anlass ist also sehr klassisch, fast typisch. Eine Provokation (New York) löst Gegenmassnahmen des Betroffenen aus, destabilisiert aber eine betroffene Zone in der gewünschten Form, Die Börsenmanipulationen im Vorfeld des New Yorker Attentats sind ein schwerwiegendes Indiz dafür, dass mehr als ein reiner „Racheakt“ einzelner Moslems vorliegt. Erwiesen ist inzwischen, dass der Umfang der Put-Optionen in den wichtigsten Broker- und Air-line- Aktien in den Tagen vor dem Attentat bis um das 10fache gestiegen sind. Daraus resultieren Soll das ein Zufall sein? Die Nachprüfungen werden zeigen, wer die beteiligen Parteien waren. Strafbar ist das Ganze nicht, aber die Auftraggeber werden mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Umfeld der Terrorszene gehören. Selbst das ist wiederum nicht strafbar. Doch schlägt es die Brücke zu dem, worum es Die Schlussfolgerung ist zwingend: New York ist ein Teil eines zumindest grösser angelegten Planes oder einer Strategie, wobei die unmittelbar Ausführenden nur einen begrenzten Kreis darstellten. Ob hierbei der genannte Terrorist der alleinige Drahtzieher ist, möchten wir unter diesen Aspekten doch sehr bezweifeln. Ist eine Destabilisierung des westlichen Finanzsystems denkbar? Jeder Sachkenner wird dies innerhalb von 5 Sekunden vom Tisch wischen. Anhand der gegenwärtigen Fakten sind auch wir der Meinung, dass dies unmöglich erscheint. Aus der Sicht der Araber/Moslems stellt sich das Thema jedoch anders: Destabilisierung bedeutet keine Finanzkrise oder einen Zusammenbruch der Märkte. Wohl aber das, worauf es auf arabisch ankommt: Vorteilsgewinnung in den anstehenden Fragen, die hier Dazu gehört: Jeder arabische Regierungschef weiss, dass kein westliches Regierungsoberhaupt die Unterstützung der Israelis verweigert. Sämtliche Kommentierungen in den westlichen Medien (elektronisch wie print) neigen dazu, die Israel/Palästinenser-Probleme mit einer Neigung zugunsten Israels darzustellen. Die Spannweite der Probleme ist beachtlich grösser, als wenn im Umfeld der New Yorker Ereignisses das Ganze sich jetzt auf die Frage konzentriert, ob, wie und wann die amerikanischen Reaktionen ausfallen werden. Sie sind ein Teil des Ganzen, aber nicht das Ganze. Wie wir glaubhaft versichert erhalten, geht es darum: Rechnen Sie mit dem anschliessenden russischen Wunsch, Zugang zum Euro-Kapitalmarkt zu erhalten, indem Russen-Bonds in Dollar und Euro als echte Staatsanleihen plaziert werden. Man rechnet mit einem Gesamtvolumen bis 5 oder 6 Mrd. Dollar bis zu einem Wunsch-Betrag von 10 Mrd. Dollar für eine Laufzeit von mehr als zehn Jahren und Coupons bis zu 30 Basispunkten über TB. IP: Gespeichert |
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akira Junior Member Beiträge: 14 |
http://www.be09.de/BE09/imernst.htm IP: Gespeichert |
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LD Junior Member Beiträge: 16 |
Ein neuer «Kreuzzug» im Orient? Das Ausmass an Tod und Zerstörung, das die Terrorangriffe auf die USA vom 11. September brachten, scheint das von einem amerikanischen Politologen geprägte Schlagwort vom «Zusammenstoss der Zivilisationen» auf furchtbare Art zu bestätigen. Zwischen den Werten des Westens und der Weltanschauung, die hinter dem gegen unbeteiligte Zivilisten entfesselten Terror zum Vorschein kam, tat sich ein absoluter, unüberbrückbarer Gegensatz auf. Die Identifizierung der Attentäter, die alle aus arabischen Ländern stammten, und die Bezeichnung des saudiarabischen Millionärs Usama bin Ladin als Drahtzieher des Anschlags bestätigten ein Vorurteil, das im Westen ohnehin viele schon pflegten: Der Terrorismus ist ein Produkt der Araber und des Islams. Für die arabische und muslimische Öffentlichkeit war die Schuldzuweisung an Männer aus ihren Reihen nicht glaubwürdig. Zu gross ist das Bewusstsein der eigenen Schwäche gegenüber dem Westen, des eigenen Ungenügens vor den technologischen Herausforderungen der Moderne, als dass sie es einem der Ihren zugetraut hätte, der amerikanischen Supermacht einen solch verheerenden Schlag zufügen zu können. In den Schuldzuweisungen aus Amerika erkannten zahlreiche arabische Kommentatoren vielmehr den Versuch, einen Grund für ein Vorgehen gegen arabische und muslimische Länder zu konstruieren und so deren Aspirationen nach politischer Selbstbestimmung und wirtschaftlicher Entwicklung zu schwächen. Die westliche Reaktion auf die Anschläge vom 11. September bestätigte das orientalische Vorurteil von der grundlegenden Feindseligkeit des Westens gegenüber den Arabern und den Muslimen. Das durch solche Pauschalurteile genährte gegenseitige Misstrauen ist der Punkt, an dem der islamistische Terrorismus ansetzt. Der Plan Usama bin Ladins beschränkt sich nicht auf die Zerstörung von Symbolen amerikanischer Übermacht, seine Strategie besteht vielmehr darin, jenen «Zusammenstoss der Zivilisationen» auszulösen, in dem, so hofft er, das «gottlose» Amerika untergehen wird. Er weiss, dass auch ohne sein Zutun in vielen Städten und Dörfern der muslimischen Welt Geistliche in seinem Sinne predigen, Lehrer seinen Standpunkt vertreten, Händler Bücher und Kassetten mit der Botschaft des militanten Islams verkaufen. Sie alle arbeiten daran, die Verbitterung über die amerikanische Hegemonie zu nähren, sie als einzige Ursache für alle Übel und Widersprüche in der Region darzustellen. Schlägt Amerika zurück, fallen Bomben auf ein muslimisches Land, so die Rechnung bin Ladins, stehen die Muslime auf und schliessen sich seinem heiligen Krieg an. Diese Rechnung ist vorläufig nicht aufgegangen. Amerika hat nicht blind zurückgeschlagen, sondern zuerst die sich ihm bietenden militärischen und politischen Optionen abgewogen und versucht nun, ein breites Bündnis zur Bekämpfung des Terrorismus zu schmieden. Angestrebt wird auch der Einschluss der arabischen und muslimischen Staaten in diese Allianz, denn dem Kampf gegen den Terrorismus soll eine universelle Legitimität gegeben werden, und es soll der Eindruck verhindert werden, dass er gegen den Islam oder gegen ein gewisses Land gerichtet sei. Je breiter die Legitimation und die Unterstützung für die Anti-Terrorismus-Allianz ist, desto grösser wird auch ihre Wirksamkeit sein. Diese Strategie funktioniert aber nur, wenn die Versicherung, dass sie sich nicht gegen den Islam wende, in der muslimischen Öffentlichkeit auch glaubwürdig erscheint. Dazu genügt es nicht, den Islam mit schönen Worten der eigenen Ehrerbietung zu versichern. Dies bedingt von westlicher Seite eine grosse Rücksicht auf kulturelle und politische Empfindlichkeiten der Araber und der Muslime. Die Rhetorik, mit welcher der Krieg gegen die Terroristen erklärt und gerechtfertigt wird, muss zum Beispiel in Rechnung stellen, dass das Wort «Kreuzzug», das im Westen meistens in der übertragenen Bedeutung eines gegen wen auch immer gerichteten Feldzugs gebraucht wird, im Orient immer in seiner ursprünglichen, historischen Bedeutung eines christlichen Feldzugs gegen den Islam verstanden wird. Einige arabische Länder wie Algerien, Ägypten oder Saudiarabien führen bereits den Kampf gegen den islamistischen Extremismus im eigenen Land. Die Erfahrung islamistischer Gewalt hat auch in der dortigen Bevölkerung den Terrorismus diskreditiert. Die meisten Herrscher zwischen Atlantik und Golf werden von den Islamisten als gottlose Tyrannen oder Marionetten des amerikanischen Imperialismus verschrieen. Sie sind im Prinzip an der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus interessiert. Trotzdem sind diese Länder vorsichtig, wenn es darum geht, sich einer amerikanisch geführten Allianz gegen den islamistischen Terrorismus anzuschliessen. Diese Zurückhaltung erklärt sich aus den Erfahrungen der arabischen Welt mit der amerikanisch geführten Koalition gegen Saddam Hussein vor zehn Jahren. Die Operation «Desert Storm» hat zwar ihr erstes Ziel, die Befreiung Kuwaits, erreicht, aber sie hat neue Probleme geschaffen und alte zusätzlich verschärft. Dazu gehören das andauernde Leiden der irakischen Bevölkerung unter den Sanktionen der Uno, die militärische Präsenz der USA in Saudiarabien, dem Land der heiligen Stätten des Islams, vor allem aber das uneingelöste Versprechen des Westens, eine Lösung des Palästinakonflikts herbeizuführen. Solche Vorwürfe und Enttäuschungen nähren in der Region einen weitverbreiteten Antiamerikanismus, der ein Zusammengehen mit den USA für die Regierungen zum Problem macht. Die Regierungen müssen gegenüber ihrer Bevölkerung den Eindruck vermeiden, willenlose Werkzeuge eines amerikanischen Plans zu sein, der auf die Anliegen der Muslime und Araber keine Rücksicht nimmt. Die Vermutung, Amerika wolle mit der Anti-Terror-Kampagne seine Machtposition in der Region ausbauen, hat viele Staaten der Region zur Forderung veranlasst, das Mandat zur internationalen Terrorismusbekämpfung sei nicht den USA, sondern der Uno zu geben. Das Interesse des Westens, zwecks Legitimation seines Kampfs gegen den Terrorismus auch arabische und muslimische Staaten einzubinden, stärkt aber auch deren Verhandlungsposition, wenn es darum geht, eigene Anliegen durchzusetzen. Dies hat zum Beispiel Arafat erkannt, dem das amerikanische Interesse an einer Beruhigung des palästinensisch-israelischen Kriegs erlaubt, aus der Sackgasse zu entkommen, in welcher sich die Bemühungen um eine Verhandlungslösung befinden. Wie andere arabische Führer wittert Arafat die Chance, eine wohlwollende oder zumindest neutrale Haltung angesichts der Anti-Terrorismus-Initiative gegen substanzielle amerikanische Zugeständnisse bei der Suche nach einer Regelung des Palästinakonflikts einzutauschen. Die Glaubwürdigkeit der Botschaft von der westlichen Achtung für den Islam und die Muslime steht und fällt freilich mit der Glaubwürdigkeit des Vorgehens der USA und ihrer Verbündeten gegen das Netzwerk der islamistischen Terroristen. Wie dieses Vorgehen aussehen wird, zeichnet sich erst undeutlich ab, und die meisten arabischen Staaten warten darauf, in dieser Beziehung klarer zu sehen. Der Terrorismus ist nicht das Produkt des Islams oder der Araber, sondern der politischen und der sozialen Lage der muslimischen und arabischen Völker. Wie die Reaktionen der Muslime und der Araber auf die Terrorangriffe vom 11. September zeigen, ist die Lösung des Palästinakonflikts eine grundlegende Bedingung, um dem islamistischen Terrorismus den Nährboden von Verständnis und Sympathie zu entziehen, auf denen er gedeiht. Der Westen, die arabischen Staaten, vor allem aber die Israeli und die Palästinenser selbst müssen daran arbeiten, für diesen Konflikt eine Lösung zu finden, die von einer Mehrheit der beiden betroffenen Völker unterstützt wird. Wenn der Krieg um Palästina, der die ganze Region seit fast einem Jahrhundert destabilisiert und sie in ihrer wirtschaftlichen und politischen Entwicklung blockiert, beendet wird, besteht die Aussicht, dass auch eine noch tiefer liegende Ursache für den Terrorismus angegangen werden kann: die bisher enttäuschte Hoffnung der Völker des Nahen und des Mittleren Ostens auf demokratische Selbstbestimmung. jbi. IP: Gespeichert |
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Markus Junior Member Beiträge: 18 |
Hätten die Medien nicht direkt die schrecklichen Bilder in die Wohnzimmer getragen , wären dann auch Alle so betroffen??? Ist es nicht eher so, dass die Betroffenheit auch daher rührt, dass im Moment Angst vor dem unbekannten Islam jedwede Objektivität vermissen lässt? Ist es nicht in Europa so, dass Gastfreundschaft im Gegensatz zu vielen Islamischen Ländern ein Fremdwort ist? Obwohl diese Länder vom Westen eigentlich nie besonders viel hatten, habe ich NIE direkte Kritik gehört, ob in Bosnien Christen Muslime getötet haben oder Amerika hier und da mit Billigung der Nato Krieg geführt hat. Waren wir Alle so betroffen als wir Kinder mit durch Landminen abgerissenen Gliedmassen im Fernsehen sahen und gerade die USA das Verbot für Minen nicht mitratifiziert haben? Es sind in unserer Welt schreckliche Dinge passiert und auch in Zukunft werden die Menschen sich unbeschreibliche Dinge zufügen. Aber wäre es nicht an der Zeit, dass der Westen anfängt nachzudenken? Terroristen werden nicht als solche geboren. Vor allem fehlt mir im Moment eine klare Abgrenzung zwischen Freiheitskämpfer und Terrorist.
Was ich durchaus positiv finde ist das äusserst sensible Vorgehen der Amerikaner im Moment. Doch möchte ich anmerken, dass in den Tagen nach dem Anschlag einige Menschen in den USA gelyncht wurden. Da waren auch ein paar Sikhs darunter, die wohl eher der Fernöstlichen als der Moslemischen Welt zuzurechnen waren. Mit nachdenklichen Grüssen (und ein vor allem der Propaganda(Nachrichten kommen zu 80% aus öffentlichen Pressemitteilungen und Quellen) sehr kritisch gegenüberstehender) Markus IP: Gespeichert |
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